Glossaire

A

Actiparc

Im Frühjahr 2001 begannen Archäologen des nationalen Forschungsinstituts Inrap und der Stadt Arras auf einer Fläche von über 300 ha mit Grabungen am Standort eines geplanten Gewerbegebietes, die über 20 Monate dauern sollten. Mit dem Wissen, dass sie in einem Gebiet graben würden, in dem sich im 1. Weltkrieg zahlreiche Zweckbauten befunden hatten, da die dortige Front von den Deutschen gehalten wurde, beschlossen die Wissenschaftler, auch diese Überreste gleichberechtigt neben allen sonstigen archäologischen Funden zu berücksichtigen. Dabei wurden über 6000 Überreste aus dem 1. Weltkrieg entdeckt. Die zahlreichen Bombenkrater oder zugeschüttete Schützengräben sind in archäologischer Hinsicht kaum von Interesse. Andere Anlagen lieferten dagegen wertvolle Informationen über den Alltag der Soldaten im Kampf (Werkstatt im Schützengraben von deutschen Gefangenen) oder über den Verbleib ihrer Toten.

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B

Bucy-le-Long
Am 8. Februar 1915 findet Hauptmann E. Pehlemann aus Spandau bei der Inspektion eines frisch gegrabenen Laufgraben einen keltischen Halsreif, auch Torques genannt. Er ordnet an, das Gebiet noch einmal zu kontrollieren, und dabei werden Gefäße und Skelette gefunden. Er beauftragt den Studenten der Geisteswissenschaften Hans Niggemann, der sich als Freiwilliger gemeldet hatte und seinem Befehl unterstand, mit der Erforschung dieses gallischen Friedhofes. Vom 8. Februar bis zum 9. April, als die Kampfhandlungen in vollem Gang sind, exhumiert Hans Niggemann in Bucy-le-Long methodisch und in aller Ruhe 32 Gräber aus keltischer Zeit. Soldat Hans Niggemann nutzt seine Ruhepausen im Hinterland dazu, minutiös über die Grabungen Protokoll zu führen. Er legt eine Sammlung mit den Fundstücken an. Identifizierung und Datierung der Überreste sind für die Zeit erstaunlich gut. Hauptmann Pehlemann verfasst seinerseits einen Bericht und macht seinen Vorgesetzten bereits Ende März Meldung über die Funde. Der Abtransport aller Gegenstände und der Dokumentation ins Königliche Museum in Berlin dauert nicht einmal 12 Tage. Nach dem Waffenstillstand geriet die Sammlung in Vergessenheit und wurde während des 2. Weltkrieg vorsichtshalber in aller Herren Winde zerstreut. Nach dem Waffenstillstand geriet die Sammlung in Vergessenheit und wurde während des 2. Weltkrieg vorsichtshalber in aller Herren Winde zerstreut. Ein Teil landete in Moskau und wurde in den 1950er Jahren nach Ostberlin zurückgegeben, ein anderer an das Museum für Ur- und Frühgeschichte, wo er noch heute gezeigt wird.  Der Rest der Nekropole mit ursprünglich ca. 350 Gräbern wurde von 1971 bis 1994 im Zuge vorsorglicher Grabungen freigelegt, denn um 1970 herum war sie in großem Maßstab zerstört worden.

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C

Châtelet-sur-Retourne
2009 graben Archäologen am Flurstück "Au-dessus du Clos" am östlichen Rand der Ortschaft Châtelet-sur-Retourne, die im südwestlichen Teil des Departements Ardennes und 28 km nordöstlich von Reims liegt. Es handelt sich um ein Inrap-Team unter Leitung von Yoann Rabasté, das vor der Erschließung für ein Wohngebiet mit einer Fläche von 14.439 m² tätig wird. Hierbei wurde ein Komplex aus dem 1. Weltkrieg entdeckt. Es handelt sich um einen deutschen Militärflugplatz am Rande der Gemeinde, der als Stützpunkt im Hinterland diente. Von diesem Stützpunkt zeugen Überreste (Gräben), die mit großen Gebäuden in der Art von Hangars verbunden sind. Neben diesen Bauten gibt es noch einen Bunker und einen Munitionsbunker, wo man große Mengen an militärischer Ausstattung fand, so insbesondere Teile deutscher Flugzeuge, aber auch zahlreiche Überreste von Tieren, die belegen, dass dort geschlachtet wurde.

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D

Die 3. Schlacht im Artois
Die im Norden von Arras zusammengezogenen französischen Truppen sollten am 25. September 1915 erneut versuchen, die deutschen Linien zu durchbrechen. Der Hauptangriff konzentriert sich auf den Bereich zwischen dem Höhenkamm von Vimy und der Gemeinde Thélus. Der Erfolg der Operation hängt davon ab, wer diese Geländeerhebung, die das Bergbaugebiet um Lens überragt, beherrscht. Das 50. und 126. Regiment der 47. und 48. Brigade der 24. Infanteriedivision sind für den Sektor vor Thélus zuständig, aber alle Versuche, das Dorf einzunehmen, scheitern. Lediglich die ersten beiden feindlichen Reihen werden zum Teil überwunden. Die Verluste belaufen sich für den 26. und 27. September 1915 auf 139 Gefallene, 370 Verwundete und 79 Vermisste für das 50. Infanterieregiment und auf 130 Gefallene, 510 Verwundete und 135 Vermisste für das 126. Infanterieregiment.
DRASSM
Das französische Referat Unterwasserarchäologie (= Département des recherches archéologiques subaquatiques et sous-marines/DRASSM) hat die Aufgabe, das am Grund von Flüssen, Seen und Meeren lagernde archäologische Erbe zu verwalten und wissenschaftlich auszuwerten, und zwar für alle Gewässer vom Atlantik bis zum Pazifik und vom Indischen Ozean bis zum Mittelmeer, die der französischen Gerichtsbarkeit unterstehen. Dies entspricht einer Fläche von gut 11 Mio. km². Es ist für alle archäologischen Forschungen zuständig, für die getaucht werden muss, und wacht im Falle von maritimen Kulturgütern über die Einhaltung des französischen Gesetzes über das Kulturerbe. Als Kulturgut gelten alle Güter, die sich in öffentlich zugänglichen Meeresgebieten befinden und die von prähistorischem, archäologischem, historischem oder künstlerischem Interesse sind. Das DRASSM hat seinen Sitz in Marseille im Hafengebiet des Stadtteils L'Estaque.

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I

Inrap
Das "Institut national de recherches archéologiques préventives (Inrap)" ist ein öffentliches, französisches Forschungsinstitut mit Behördenstatus, das per Gesetz vom 17. Januar 2001 gegründet wurde und vorsorgliche archäologische Grabungen vor Bauvorhaben durchführt. Es trat an die Stelle des Verbandes "Association pour les fouilles archéologiques nationales (Afan)", der per Gesetz von 1901 gegründet wurde. Die Zuständigkeit für das Inrap liegt zu gleichen Teilen beim Kultur- und beim Forschungsministerium.

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J

Joseph Déchelette
Französischer Archäologe, geboren am 8. Januar 1862 in Roanne (Dep. Loire), gefallen für das Vaterland am 4. Oktober 1914 in Vingré (gehört aktuell zur Kommune Nouvron-Vingré im Dep. Aisne). Kurator am Musée des Beaux-Arts et d'Archéologie in Roanne, Autor eines sechsbändigen Archäologiehandbuches, das lange Zeit das Referenzwerk schlechthin war: "Le Manuel d'archéologie préhistorique, celtique et gallo-romaine". Die Bände des Handbuchs der vorgeschichtlichen Archäologie der Kelten und Gallorömer wurden von 1908 bis 1914 veröffentlicht. Er stellte die Ergebnisse aus den Grabungen in Bibracte am Mont Beuvray, im bayerischen Manching, im böhmischen Stradonice und im ungarischen Velem-Zsent-Vid einander gegenüber und belegte so als Erster eine kulturelle Einheit nördlich der Alpen am Ende der Eisenzeit. Obwohl er aufgrund seines Alters - zu Beginn des Krieges war er 52 Jahre alt, nicht mehr eingezogen worden wäre, meldet er sich freiwillig und wird zum Hauptmann der Reserve ernannt. Ende September 1914 zieht er mit dem 298. Infanterieregiment Roanne an die Front an der Aisne. Am 4. Oktober 1914 wird er bei einem Angriff auf den Anhöhen von Vingré getötet.

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P

Pre-Dreadnought
Bezeichnung für die ersten Kriegsschiffe eines neuen Typs, denn um die Wende zum 20. Jh. herum entschied man sich dafür, die mittelschwere Artillerie zugunsten von extrem großkalibriger Bewaffung (ab 230 mm) zu reduzieren. Die Bezeichnung Dreadnought für diesen Schiffstyp geht zurück auf die HMS Dreadnought, die 1906 in Portsmouth vom Stapel gelassen und mit 10 Kanonen des Kalibers 305 mm bestückt war.

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